Archiv für September 2010
Schreibabys – Gründe und der richtige Umgang
Durch Schreien drücken Babys aus, dass es ihnen an etwas fehlt, dass sie ein bestimmtes Bedürfnis haben. Babys schreiben, wenn Sie Hunger haben, müde sind oder wenn es ihnen zu kalt oder zu warm ist. Dieses Schreien nach Bedürfnissen ist vollkommen normal, zumal es auch die einzige Möglichkeit eines Neugeborenen ist, sich mitzuteilen.
Ab wann ist mein Baby ein Schreibaby?
Die Schreidauer nimmt über die ersten Wochen zu und gipfelt mit sechs Wochen in eine durchschnittliche Schreidauer von rund zweieinhalb Stunden. Ab dem dritten Monat schreit ein Baby dann nur noch rund eine Stunde täglich.
Am Anfang schreit ein Kind, wie oben erwähnt, um die Bedürfnisse auszudrücken. Ab dem dritten bis vierten Lebensmonat erkennt es aufgrund der bisherigen Lebenserfahrungen einen Zusammenhang zwischen dem Schreien und den Reaktionen der Umwelt: Zum Beispiel lernt das Baby, dass die Mama sofort kommt, wenn es ganz bitterlich weint.
Aber ab welcher Intensität ist das Schreien nicht mehr als „normal“ einzuordnen? Als Faustregel gilt: Man kann von einem Schreibbaby sprechen, wenn es mehr als drei Stunden täglich und mehr als drei Tage wöchentlich drei Wochen hindurch schreit.
Warum wird ein Baby zum Schreibaby?
Die Erklärungsversuche, warum ein Baby über die Maßen hinaus schreit, sind vielfältig:
- Lange Zeit ging man von starken Blähungen und denen daraus resultierenden Bauchschmerzen des Babys aus. Doch diese These wurde mittlerweile widerlegt: Bei nur rund elf Prozent der Schreiexzesse ist dies die Ursache.
- Experten vermuten, dass auch Stress in der Schwangerschaft, zum Beispiel Probleme mit dem Partner, Grund für ein Schreibaby sein kann.
- Auch Komplikationen bei der Geburt, zum Beispiel eine leichte Schräglage, die zu Wirbelsäuleschmerzen des Babys führen können, werden als mögliche Ursache angeführt.
- Als häufigste Ursache werden jedoch Anpassungsprobleme des kindlichen Organismus nach der Geburt an die neue Umwelt vermutet. Das Neugeborene muss viel Neues und Grundlegendes wie Umwelteinflüsse und Ernährung verarbeiten. Es verbringt Höchstleistung in Sachen Entwicklung innerhalb kürzester Zeit. Manche Babys sind mit dieser Herausforderung ein wenig überlastet, haben große Mühe, sich zurechtzufinden, fühlen sich unsicher und schreien deshalb.
Wie soll man sich als Elternteil verhalten?
Als Eltern sollten Sie sich vor allem eines bewusst sein: Es ist nicht Ihre Schuld, wenn Ihr Kind zum Schreibaby wird. Schuldgefühle helfen niemandem, sondern verbreiten nur negative Stimmung.
Guter Rat ist immer willkommen, aber lassen Sie sich nicht zu viel reinreden, sondern vertrauen Sie Ihren Instinkten. Vor allem Verwandte und Freunde älterer Generation glauben aufgrund ihrer eigenen Erfahrung, immer die richtige Lösung parat zu haben. Mittlerweile ist die Säuglingsforschung jedoch schon viel weiter fortgeschritten und vertritt neue Erkenntnisse.
Übrigens: Der Ratschlag, das Baby einfach nicht zu beachten und schreien zu lassen, bis es von alleine aufhört, um es nicht zu sehr zu verwöhnen, entspricht nicht dem heutigen Stand der Wissenschaft und gilt als veraltet und inkorrekt.
Ruhe und Entspannung sind wichtige Faktoren im Umgang mit Schreibabys. Dies gilt vor allem für die Eltern. Auch wenn es schwer ist, da die Nerven der Eltern nach tagelangen Schreikonzerten meist blank liegen und nicht selten Auseinandersetzungen mit dem Partner hinzukommen, sollte man sich eines bewusst machen: Die Unruhe der Eltern überträgt sich auf das Baby. Unruhe und Hektik sind aber jene Gemütszustände, die Schreianfälle des Kindes nur noch nähren und das Kind noch unsicherer werden lässt. Aus dem gleichen Grund sollten Eltern vermeiden, das Baby von einem Arm in den anderen zu legen und ruhelos von einer Position in die andere zu wechseln.
Ruhe kann durch eine langsame gleichmäßige und sanfte Stimme oder ein beruhigendes Lied vermittelt werden. Schmusen Sie mit Ihrem Kind oder schaukeln es sanft.
Strahlen Sie also so weit wie möglich Ruhe aus und akzeptieren Sie das Schreien als Antwort des Babys auf die noch ungewohnte Umgebung.
Auf manche Babys wirken Beruhigungssauger oder ein warmes Bad. Viele lieben den Körperkontakt, wenn Sie das Baby im Tuch oder Beutel tagsüber am Körper tragen oder es nachts nackt auf ihren Oberkörper legen. Dämpfen Sie grelles Licht und achten Sie auf Blickkontakt: Das gibt dem Baby Sicherheit.
Babys lieben Streicheleinheiten, auch Massagen mit einem warmen Babyöl beruhigen und entspannen.
Sich selbst helfen können Babys, wenn sie instinktiv Daumen, Finger oder die ganze Hand in den Mund stecken und saugen: auch das beruhigt und vermittelt Geborgenheit.
Nutzen Sie auch die – wenn auch nur seltene – Zeit, wenn Ihr Baby nicht schreit, zum Kuscheln und Streicheln, damit es weiß, dass es auch Aufmerksamkeit bekommt, wenn es sich nicht lauthals bemerkbar macht.
Zudem gibt es verschiedene Möglichkeiten, sich Rat und Hilfe von Experten außerhalb des Familien- und Freundeskreises zu holen. In den meisten Großstädten gibt es beispielsweise sogenannte Schreiambulanzen, die den Eltern über die unsichere, schwierige Zeit hinweghelfen. Auch Hebammen und KinderärztInnen oder GynäkologInnen wissen oft guten Rat.